Vorab, nein wir sind nicht auf dem letzten Stück verloren gegangen, aber auf einmal wurde es wahrlich hektisch.
Da Guernsey uns nicht mehr wollte, wollten wir definitiv auch nicht mehr dort bleiben. Also auf zu fernen Ufern: Brest, unsere letzte Station für diesen Törn als FamilienCrew. Ehrlich gesagt lief es wie auch die drei Wochen zuvor. Wind aus SüdWest, unser Ziel natürlich auch SüdWest, ja wir bleiben uns treu. Erst frischte der Wind mächtig auf, segeln so hoch am Wind wie irgend möglich, mir wurde mächtig schlecht (mittlerweile fast schon aus Angst, dass mir schlecht werden könnte. So was nennt man selbsterfüllende Prophezeiung. Die ersten Atlantikwellen, hoch und lang, halfen nur bedingt, immerhin nicht kappelig) und zum Abend hin flaute der Wind dann wieder ab, bis hin zur Windstille. Same, same, but different. Das klingt jetzt vielleicht etwas gelangweilt, das Gegenteil ist der Fall, aber wir sind gedanklich langsam mit dem Ende und allem was damit verbunden ist, beschäftigt. Nichts desto trotz werden wir mit einem der schönsten Sonnenuntergängen und einem sensationellen Sternenhimmel belohnt. Die Einfahrt am nächsten Tag nach Brest ist unglaublich schön und unglaublich lang, wir wollen ankommen. Schnell noch eine schöne Box für die Sophia finden und dann alles herrichten für die Männer, die in gut 4Wochen den Rest der Strecke übernehmen werden. Ein bisschen neidisch bin ich schon, gleichzeitig freue ich mich jetzt auf ein paar Tage Paris und vor allem auf zu Hause. Nur noch kurz 4Waschmaschinen gewaschen und getrocknet, Bett bezogen und sauber gemacht, dann verlassen wir die Sophia, aber nur für kurze Zeit, dann trägt sie Rüdiger, Jörg und Berger garantiert genauso sicher und beständig über die Biskaya.
Es war eine krasse Reise, entspannter Urlaub ist sicherlich was anderes. Gern hätten wir öfter mal in der Sonne gelegen und gelesen. Das scheiterte allein daran, dass die Sonne selten schien. Ob wir es wieder machen würden? Auf jeden Fall. Henri läuft übers Boot als ob er nie wo anders gelaufen, geklettert oder geschlafen hätte. Ben ist deutlich offener geworden allen Menschen gegenüber, die nicht seine Mama sind. Anlegen tun wir mittlerweile wie Profies und zwar entspannt. Windstärke 7 mit 8er Böen meistern wir gelassen mit der Sophia. Mir wird zwar gern noch schlecht, aber ich habe keine Angst mehr, das wir umkippen. Mein Vertrauen ins Boot ist gewachsen und Rüdigers würde bestätigt, bis auf den kurzen Wackelkontakt am Anfang läuft alles problemfrei. Wir haben gelernt, dass der Autopilot viel Süßwasser braucht, man keine Kirschkerne schlucken sollte, wenn die Bordtoilette weiter funktionieren soll, Wetterberichte sind nicht allwissend und der Motor verbraucht tatsächlich nur 1,5Liter Diesel die Stunde bei 2000 Umdrehungen, ach ja und bei guter Pflege natürlich. Das waren 860 lehrreiche, anstrengende, spannende, nervende, wunderschöne Seemeilen. Erwähnte ich anstrengend? Wie gesagt, jeder Zeit gerne wieder.
Paris war toll, lebhaft, laut, schmutzig, definitiv eine Reise wert. Jetzt sind wir wieder zu Hause, alles wackelt noch ein bisschen und morgen hat uns der Alltag schon wieder. Ich werde mich jetzt in mein weiches, trockenes, feststehendes Bett verkrümeln und von ganz viel weitem Meer träumen. Bis bald.











































