Guernsey ist hübsch, grade zu zauberhaft, für mürrische Seglerinnen genau das Richtige, eigentlich. Nach einem entspannten Tag in dem kleinen bildschönen Hafenstädtchen, ein wenig Dinghi-fahren mit den Kindern, wollte uns dann aber doch unser Witz von gestern einholen. Als ordentliche Deutsche wollten wir noch schnell vor dem Abendessen unsere Nacht bezahlen, bevor wir morgen früh in See stechen, wollen ja nichts und niemanden behumpsen. Kamen grade bei der Capitainerie an, da standen zwei Herrschaften vom Zoll und fragten nach uns. Alles ganz nett und freundlich, sie wollen nur kurz unsere Pässe sehen, eigentlich auch nur den von Johana, kein Problem und auf einmal doch. Johana durfte das Boot nicht mehr verlassen, ebenso wenig Rüdiger, als Schlepper. Nach ewigem Hin und Hertelefonieren hatte der ominöse Vorgesetzte beschlossen, Rüdiger anzuzeigen, sie müßten jetzt die Papiere ausfüllen und ihm offiziell überstellen. Wir fragten uns immer noch, ob das deren Ernst ist und ob wir jetzt einen Briefkasten an der Sophia brauchen. Nach einer dreiviertel Stunde kamen die zwei freundlichen Polizisten wieder, mit einem fiesen Stempel in Johanas Pass, welchen wir sehr intensiv in Deutschland checken lassen werden und einer Strafe von £2000 für Rüdiger. Von dieser sah man aber dann doch ab, da es doch reichlich übertrieben wäre, wir sehen auch nicht so wirklich wie Menschenschlepper aus. Danke.
Nur zur Information, wir hatten versucht, raus zu finden, ob ein Visum nötig ist oder nicht, wir waren uns nicht sicher. Hinzukommt Johana hat eine deutsche Aufenthaltsgenehmigung mit einer eingeschränkten Arbeitserlaubnis. Man sollte meinen, dass dürfte für eine Insel wie Guernsey, die was zum Beispiel Steuern angeht ihr eigenes Ding machen, ausreichen. Ich hätte es besser wissen müssen, schließlich habe ich fast 7Jahre in England verbracht und kenne ihre Selbsteinschätzung als Herrscher aller Reusen zu Genüge. Egal, vielleicht merken sie irgendwann, dass sie eigentlich auch ein Teil Europas sind, und nicht mehr die großen Eroberer. Und im Übrigen hätte wir sie heimlich einführen wollen, hätte wir sie einfach nicht auf dem Einklarierungsbescheid erwähnt, dann hättet ihrs hier nicht mal bemerkt. Schön blöd sind wir. Auch wurscht, jetzt.
Wie dem auch sei, wir müssen die illegale Johana bis morgen früh um 9, englischer Zeit versteht sich, aus dem englischen Hoheitsgebiet entfernt haben. Kein Problem machen wir sogar mit Freude, denn ehrlich gesagt gefällt es uns in einem Land, was den deutschen Behörden die Kompetenz abspricht auch gar nicht mehr so gut. Ich sage nur „Vive la France!“, wir freuen uns.
































