20.7.15 Lagerkoller

Heute war ein Tag, der unter der Flagge vom Lagerkoller stand. In erster Linie bei mir. Eigentlich wollten wir morgens um halb sechs ablegen, wir sind auch kurz wach geworden, es goß wie aus Eimern und der Wind pfiff um die Wanten. Nein danke, da warten wir doch erst mal ab. Ich bin dann flugs in die Stadt geflitzt, irgendwann sollte es ja nun endlich mal die ersehnten Croissants geben. Die Stadt war genauso tot wie am Abend zu vor. Also falls jemand günstige Ladenflächen in einer vergessenen Stadt in Frankreich sucht, der wird hier garantiert was finden. Wir fanden es eher doof und ich besonders. Gleichzeitig fand ich segeln aber auch blöd, insbesondere bei Wind und Welle. Mir war mehr so nach entspannt mich einkuscheln, bisschen mit den Kindern spielen, lesen und schlafen. Pustekuchen, wir wollen irgendwann auch mal ankommen. Für alle, die sich fragen wo denn unsere Reise enden soll, in Brest. Dank der widrigen Winde, werden wir es nicht weiter schaffen. Noch ein Grund warum ich reichlich frustriert bin. Richtig zum Segeln bin ich nämlich nicht gekommen, entweder war zu viel Wind (was mir die Ps in die Augen treibt) oder gar kein Wind. Gefühlt habe ich nicht im Ansatz das gelernt was ich lernen wollte. Meine Beine sehen aus wie vom Dalmatiner, weniger das Schlanke als die vielen Flecken. Außerdem gehen mir diese Duschen, die immer just in dem Moment ausgehen, wenn einem der Schaum in die Augen läuft auf den Keks. Hinzu kommt, dass die nie wirklich warm sind und mein Bedarf, mich nackt vor anderen zu zeigen ist redlich gedeckt; Henri reißt beim Duschen gern die Tür auf, um zu gucken, wer da grade lang läuft, ich übrigens nicht. Und das romantische Schaukeln ist auch nur begrenzt romantisch, denn wir hatten weitaus mehr einen wilden Ritt als ein entspanntes Gewackel. Hinzu kommt, dass ich eben noch in die Hinterlassenschaften eines Hundes, Mistvieh, getreten bin und meine Hose ist gerissen. Also alles in allem ist meine Laune besch…eiden. Gott sei Dank, die vom Rest der Crew nicht. Egal, ich verkriech mich noch mal ein Stündchen im Waschsalon, selten fand ich so einen so anheimelnd wie heute, schnell noch ein Käffchen mit Rüdiger, ein bisschen Zweisamkeit ist doch ganz schön und ab geht es Richtung Guernsey. Und zwar rasant, so richtig schnell, unter Segeln, ohne Motor. 5erWind, 11,5 Knoten über Grund nur mit der Fock (und vielleicht ein bißchen Strömung), unglaublich. Gischt spritzte, das Boot lag zwar auf der Backe, aber ruhig. Rüdiger strahlte, er war voll in seinem Element. Meine Laune war grade dabei sich etwas zu erholen und segeln wieder toll zu finden und dann kamen die Kanalinseln. Wellen, sehr Starker 6er, später 7er Wind und ich mußte unter Deck, der kleinste Mitsegeler verlangte nach seiner Mutter. Mit der Seekrankheit war es schon deutlich besser geworden, offensichtlich hilft der Verzicht auf Kaffee, aber unter Decke, während ich das erste Mal das Wasser an mir quasi direkt vorbei rauschen höre, bisher hat immer der Motor die Wassergeräusche geschluckt, war wirklich etwas zu viel für meine eh schon sehr angeschlagenen Laune. Als ich endlich raus kam, bin ich noch klitschnass geworden. Kalt und speiübel, meinte ich zu Rüdiger, wie gern ich doch jetzt eine Sauna hätte; Dann geh doch runter und mach Dir die Heizung an. Oh, ich muss ihn wirklich lieben, ansonsten hätte ich ihn zumindest zeitweilig gewürgt.

Die Inseln sehen wunderschön aus und wir waren irgendwann auch wirklich bereit anzulegen, dass sahen der Wind und die Strömung, gegen uns versteht sich, ganz anders. Der Wind kam wie immer aus der falschen Richtung und die Strömung war auf ihrem Höchstpunkt. Rüdiger hatte bis hier hin recht still den Regen, die Gischt und meine miese Laune ertragen, nun wurde er auch langsam, aber sicher genervt. „Jetzt mal ehrlich, der Wind hat so zu sagen 8 Möglichkeiten aus denen er kommen kann, warum kommt er immer aus der Falschen? Immer Südwest!“ Unser nächstes Boot heißt SouthWest oder Stormfinder, aber wie meinte er noch: „och, heute war es gar nicht so schlimm“.

Die Einfahrt war ein Erlebnis für sich. Wir hatten vorsichtshalber unser Quarantänefläggchen gehisst, man weiß ja nie bei den Engländern, und hielten nun nach dem Waiting Ponton Ausschau. Auf einmal schoß ein Dinghi auf uns, zu pfefferte ein Päckchen aufs Boot, machte kehrt, fragte, nach unserem Tiefgang und befahl uns zu folgen. Aye, aye Sir! Rüdiger ist kein großer Fan vom Unbekannten und dieser Hafen war mal wirklich unbekannt. Rappelvoll, mitten in der Stadt und Tidenhub vom Feinsten. Ein Lächeln der Verzweiflung umspielte sein Gesicht, sicher steuerte er uns durch die Massen von Booten, 20cm links, 20cm recht.

Endlich um halb elf lagen wir im Päckchen im übervollen Victoria Hafen in St.Peter, neben ein paar Franzosen, die Rüdiger erstmal auf Französich Anweisung gaben. Rüdiger und ich liefen noch schnell die Straße lang, denn wir hatten noch alle Hunger. Dort stellten wir fest, die fahren hier nicht nur auf der falschen Seite, haben keinen Euro, nein, sie haben auch noch die englische Uhrzeit, also eine Stunde nach uns. Ja, ja die Briten. Aber unglaublich niedlich die Stadt, wenn Rüdiger wirklich denkt, wir fahren hier morgen früh um sechs wieder weg, dann ohne mich, ich möchte doch mal kurz die Gässchen erkunden.

So, nach einem Bier, einem mehr oder minder geniessbaren Burger in der besten Gesellschaft der Welt, nämlich meiner Familie, ist meine Laune auch etwas besänftigt. Mal sehen was morgen der Tag bringt, ich gehe jetzt erstmal schlafen.

ScokoCroissant

ScokoCroissant

MiniCroissantf

MiniCroissantf

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Dank ju wel, Roel, the Seaswing is brilliant

Dank ju wel, Roel, the Seaswing is brilliant

MiniKindergarten

MiniKindergarten

Deutschunterricht für Johana

Deutschunterricht für Johana

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Hier wach...

Hier wach…

5Minuten später schlafend

5Minuten später schlafend

Rüdiger in seinem Element

Rüdiger in seinem Element

Kaptain Johana

Kaptain Johana

Wie fliegen

Wie fliegen

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Ich dachte, es war ein Dampf, mit Brille ist wirklich besser

Ich dachte, es war ein Dampf, mit Brille ist wirklich besser

Das Zeug in Kühlwasseransaugung und man hat richtig Freude. Einmal reicht die Erfahrung

Das Zeug in Kühlwasseransaugung und man hat richtig Freude. Einmal reicht die Erfahrung

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Erst der Anfang

Erst der Anfang

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Wozu räume ich eigentlich auf

Wozu räume ich eigentlich auf

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Die Zwerge haben Spass.

Die Zwerge haben Spass.

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Die Einfahrt

Die Einfahrt

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Lökker!

Lökker!

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