19.07.15 Bonjour Cherbourg, 50Stunden Non-Stop für knapp 200sm

Land in Sicht. Wer hätte das gedacht, Endlich das gelobte Land der Croissants und des Baguettes. Zur Feier des Tages gibt es ein neues Marmeladenglas, das meiner Mutter hat nur bis kurz vorher geschafft.

Was für ein RItt. Langsam kommen wir zu der Einsicht, dass sämtliche Wetterdienste ihre Aussagen würfeln, anders kann es nicht sein, sonst hätten sie sicher einen sehr kräftigen 7er Wind vorhersagt, aber wer hat schon mal einen Würfel mit sieben Augen gesehen? Ich nicht. Windrichtung ist ja eh klar, südwest, immer auf unsere Nase.

Los ging es in Nieuwpoort um 15.30 mit ablaufendem Wasser. Vorhersage war leichte 6Bft aus Südwest (ausnahmsweise mal gewünscht), ab 8 Uhr abends abnehmend bis hin zur Flaute. Bekommen haben wir eine kräftige 6 aus Westen, stark zunehmend zu einer ausgeprägten 7, Welle von gut 3 Metern. In weiser Voraussicht, Vorahnung und der bevorstehenden Nachtruhe, hatte Rüdiger das zweite Reff im Groß und lediglich eine Sturmfockgroße Genua, für nicht Segler, wirklich wenig Tuch, draussen. Irgendwann war dann auch die Sturmfock verschwunden und es krachte nur noch. 12 Stunden kreuzen um auch nur in die Nähe von Dover zu kommen, Ziel war eigentlich Calais, was der Wind offensichtlich anders sah. Er wollte Johana mal England zeigen, denn dort darf sie nicht auf Grund von VisaBestimmungen nicht hin. Insgesamt haben wir 23 Seemeilen mehr gebraucht. Was mal wirklich lobend erwähnt werden sollte, ist die Sophia. Sie hat uns in aller Ruhe durch die größten Wellen getragen, mit der Unterstützung des Autopilotens, dadurch konnten wir uns hinter und unter die Sprayhood verstecken, denn jede dritte Welle ging übers Boot. Der kleine Ben fand das Naturspektakel dann doch irgendwann etwas zu aufregend und brauchte definitiv die Mama, wo dann die Welt auch wieder in Ordnung war. Henri wiederum fand es klasse, er tobt durch die Bugkajüte und schlug ein Purzelbaum nach dem nächsten, freiwillig wohlbemerkt. Rüdiger hielt die Stellung. Langweilig wurde es definitiv nicht. Eine Küste, die am Tag strahlendschön ist, bei Nacht schwarz, bedrohlich und viel näher als sie eigentlich ist wirkt. Sehr starker Fährenverkehr bis zu 6 Fähren versetzt aus beiden Richtung, dann noch der eine oder andere Frachter, da lacht die Qualle, Rüdigers Haare sahen doch sehr zerrauft aus. Der Autopilot muckt schon wieder rum. Er hatte wohl in seiner Arbeitsbeschreibung überlesen, dass es durchaus intensiven Salzkontakt geben kann, denn er aber überhaupt nicht mag. Nun spülen wir ihn immer liebevoll mit Süßwasser.

So stürmisch die Nacht war so windstill, das was folgte. Anfänglich noch 4 bis 5Bft aus Westen. So hoch es ging, segelten wir die Sophia am Wind, aber sie ist definitiv keine Rennjacht, die uns mal wirklich alt aussehen ließ, als sie uns segelnd ohne Motorhilfe überholte, 20Grad härter am Wind. Schweine.

Ansonsten verlief der Tag ruhig. Es ist schon erstaunlich, wie lang die Küsten auf einmal werden, wenn man nicht per Gaspedal unterwegs ist. Naja, ganz ohne Gaspedal, bzw. Hebel ging es nicht, im Gegenteil, der Wind aus dem Tank würde hier gar nichts gehen. Aber die Stimmung ist gut, Rüdiger ziemlich müde, ich auch, so eine Salonkoje klingt größer als sie für Mutter und Kind dann tatsächlich ist. Eine Nacht hatten wir ja noch vor uns, in der vor allem ich auch mal die Nachtwache mitmachen sollte. Gesagt getan, kurz noch mal Henri verarztet, der schmerzhafte Weise lernen musste, dass es wirklich besser ist sich immer festzuhalten. Dank Arnika und dem Wundergriff von Meike (erkläre ich gerne jedem der es wissen live ist einfacher) schwoll die Lippe, die schon blau und Weitraubengroß angeschwollen war, wieder ab.

Die Nacht war bis einen Haufen riesiger Schiffe (schwimmende Schrankwände), darunter zwei Kreuzfahrtschiffe (schwimmende Weihnachtsbäume), eher ruhig, mal vom Motorröhren abgesehen.

Jetzt dümpeln wir Richtung Cherbourgh, was wirklich nah ist, wir können es schließlich sehen, aber dank 5Knoten!!!!! Gegenströmung, wie sollte es auch anders sein, wird es doch noch etwas mit dem Baguette und dem Croissant dauern. Bis dahin herzlichste eure doch etwas stolze FamilyCrew.

Kurzer Nachtrag: Wir haben ungelogen für 22 Seemeilen 5STUNDEN gebraucht. Der Delfin, den wir gesehen haben hat ein wenig darüber hinweg getröstet. Ebenso das Spiel am Himmel und das schöne Blau des Meeres. Wir nähern uns dem Atlantik, endlich blau, anstatt matschbraun.

Dover am Morgen

Dover am Morgen

Der Morgen nach dem Sturm

Der Morgen nach dem Sturm

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Entspannt Unterhaltung am frühen morgen zwischen Henri und mir. Top Start in den Tag

Entspannt Unterhaltung am frühen morgen zwischen Henri und mir. Top Start in den Tag

Da hinten um die Ecke wohnt Sophia, also Rüdgers Tochter. Ganz hübsch finde ich.

Da hinten um die Ecke wohnt Sophia, also Rüdgers Tochter. Ganz hübsch finde ich.

Am Tag zu vor hat es sich noch überschlagen

Am Tag zu vor hat es sich noch überschlagen

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Man at work. Oder so ähnnlich

Man at work. Oder so ähnnlich

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Flucht?

Flucht?

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Blau statt braun und damit meine ich nicht meine Füsse.

Blau statt braun und damit meine ich nicht meine Füsse.

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Home sweet home

Home sweet home

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