Vorgestern hatten wir vor, morgens in See zu stechen. Alles war fertig, Kaffee gekocht und dann kam die Aristo an uns vorbei gerauscht, allerdings nicht Richtung Meer, sondern Hafen. Die Wellen wären so hoch, dass kein Voran möglich ist. Bei mir stellten sich die Nackenhaare bei dem Wort Welle schon hoch und Gottlob, befand unser Skipper ähnlich, zum Wohle der Crew. 4 Stunden später nach einem kräftigen Frühstück für uns und unseren Tank ging es dann los. Ziel Dunkerque, wir wollten Baguettes, Croissant, Fromage und Paté, naja Sonne wäre auch mehr als willkommen.
Erst sind wir hart am Wind gesegelt, welcher aus Westen kam. Dank Motorunterstützung und voller Besegelung machten wir ordentlich Strecke, zumindest aus seglerischer Sicht, 6,8Knoten über Grund, vor Rotterdam mitten durch ein riesiges Ankerfeld mit über 40 riesige Pötte, die darauf warteten gelöscht oder beladen zu werden.
Pünktlich zur Nacht drehte der Wind auf Südwest, genau unsere Zielrichtung, immer auf Sophias Nase. Anfänglich war die Strömung noch mit uns, aber beschloss dann sich mit dem Wind gegen uns zu verbünden. 2,5Knoten über Grund qualifiziert sich nicht grade als rasant schnell, eher als frustrierend langsam. Wenn ich jetzt noch sage, dass diese deprimierende Langsamkeit nur durch die Motorkraft möglich war, kann man sich sicherlich die Laune des Skippers und auch der Crew vorstellen. Um das Ganze noch zu toppen, setzte nach einer endslangen Nacht (in erster Linie für Rüdiger, mein Held) auch noch Regen ein. Also alles zusammen eher suboptimal.
Rüdiger berichtete von einigen Frachtern, die uns gnadenlos die Vorfahrt nahmen, ausdiskutieren wollte er es mit denen aber nicht, sie hatten eindeutig die gewichtigeren Argumente. Ähnlich stur verhielten sich diverse Windparks und Bohrinseln. Dank AIS (AutomaticIdentificationSystem, Pflicht für alle Wasserfahrzeuge über 20Meter) waren wir aber immer rechtzeitig gewarnt.
Permanenter Gegenwind, Strömung, gefühlt selten mit, dafür ständig gegen uns, Nieselregen und Nebel, ‘schuldigung Diesig, liessen die Laune so grottig werden, dass wir das noch 7Seemeilen entfernte Dunkerque nicht anfahren wollten, alleine schon der ganzen Sandbänke wegen nicht, sondern lieber gleich Nieuwpoort, welches direkt vor unserer Nase lag. 103Seemeilen unter widrigen Umständen waren mehr als ausreichend. Goldrichtige Entscheidung. Der königliche Jachthafen ist sehr schön, die Menschen ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, alles ist sehr gut organisiert. Direkt am Hafen gibt es ein Restaurant, was tatsächlich sehr gutes Essen serviert und nicht auf die Verzweiflung der Segler baut, wie in Cuxhaven.
Kaum angelegt, gab es ein deftiges Gulasch (ich glaube, so was kann man nur nach so einer Überfahrt essen) und wir fünf verkrochen uns in unsere jeweilige Koje. Abends gab es, typisch belgisch, Muscheln und Fritten, auch noch eher schweigend, wir waren noch nicht ganz zivilisationstauglich.
An sich wäre gestern der perfekte Segeltag gewesen, der Wind kam achterlich, die Sonne schien, aber wir hatten beschlossen, einen Tag für die Stimmung an Land zu verbringen und das war auch gut so. Die Kinder konnten sich auf dem Spielplatz aus toben und wir einfach entspannt in der Sonne sitzen. Abends war im Jachtclub noch LiveMusik und es wurde das Tanzbein geschwungen. Alles in allem ist das SeglerLeben wieder schön und wir freuen uns auf die nächsten 180Seemeilen. So uns der Wind hold ist, werden wir zwei Tage durch segeln. Noch das letzte bisschen Nordsee, dann durch den Englischen Kanal nach Cherbourg. Atlantik wir kommen. Falls ist nicht klappen sollte, Mama,
keine Sorge, egal woher der Wind kommt, er treibt uns im Zweifel an Land.

























